Postpartale Depression – wenn die Seele wackelt…

  • postpartale Depression

Endlich schwanger! Rita hatte sich lange auf ein Baby gefreut. Alle um sie herum hatten schon ein Kind und nun war sie auch endlich schwanger. Sie freute sich so sehr auf das erste Baby und richtete das Kinderzimmer ein, kaufte niedliche Strampler und Spieluhren. Die Vorfreude war riesig und ihr Bauch wurde es mit der Zeit auch. Sie konnte es kaum erwarten bald ihr Baby im Arm zu halten.

Der Tag der Geburt

Die Wochen bis zur Geburt wurden immer anstrengender, doch die Vorfreude überwog alles. Eines Nachts ging es dann los. Es setzen die Wehen ein und sie waren heftig. Hatte sich Rita das so vorgestellt? Eine Geburt mit Schmerzen verbunden? Sicherlich wusste sie, dass es anstrengend werden würde, aber über Schmerzen, die einem das Gefühl gaben, dass man zerplatzen würde – nein, das hatte sie sich nicht so vorgestellt. Die Wehen wurden heftiger und die Pausen kürzer. Veratmen, entspannen, bewegen und pressen. Die Geburt war anstrengend, ein wahrer Kraftakt. Dann war es soweit: Das Köpfchen kam, ein kurzer gequälter Schrei und das Baby war geboren….

Wer bist Du?

Das Baby war nun da. Es wurde gewaschen, gewogen und Rita lag auf dem Kreißsaal-Bett und beobachtete das rege Treiben um sie herum. Wo war ihr Kind? Was machten die alles mit ihrem Baby? Was war alles genau passiert? Und während sie noch versuchte, die Geburt zu verarbeiten, legte eine Hebamme ein kleines, in ein Handtuch gewickeltes Etwas in ihren verschwitzten Arm. Dort lag es nun – ihr Baby. Sie betrachtete es lange und bewegte sich nicht. Sie war wie erstarrt. Wer ist das? Das sollte _ihr_ Baby sein? Und jetzt? Wie sollte es weitergehen?….

Nach der Freude kam der Babyblues

Rita kam nach Hause. Alles um sie herum freute sich auf den neuen Erdenbürger. Sie versuchte es auch, aber sie verspürte ein seltsames Gefühl. Sie hatte des Eindruck nun nicht mehr die alte Rita zu sein. Doch woher kam das nur? Warum freute sie sich nicht so sehr? Und warum hatte sie das Gefühl, dass ihr Baby ein fremdes Wesen für sie war? Sie wollte nicht jemand anders sein. Sie wollte, dass alles wieder so war wie vorher…

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Der Hilfeschrei

So wie Rita ergeht es vielen Frauen nach der Entbindung. Sie fühlen sie überfordert, allein gelassen mit der neuen Situation. Bisher waren sie vielleicht sogar erfolgreiche Frauen im Job. Doch nun ist man zuhause, eine neue Situation hat sich eingestellt. Man kümmert sich nonstop um das Baby, managed den Haushalt, geht einkaufen… Der Tagesablauf ändert sich schlagartig, die Nächte werden kürzer, das Mittagessen fällt vielleicht sogar aus, weil das Kleine unruhig ist und Mamas Nähe sucht… Doch um sich herum bleibt der Alltag wie er war. Bekannte, Freunde und Verwandte haben ihren Rhythmus weiterhin. Nur der einer frisch gebackenen Mutter ist total durcheinander geraten. Man möchte es nicht zeigen, wie hilflos man sich fühlt und versucht auch seinen Alltag wieder zu erlangen. Nur das gelingt leider nicht so wie erhofft. Enttäuschungen werden wach. Das beginnt schon bei einfachen Dingen wie dem Partner gegenüber, der den Müll vergisst runter zu bringen oder nicht ans Einkaufen gedacht hat. Man fühlt sich allein, wenn die Freunde nun allein um die Häuser ziehen. Was ist man jetzt noch? Eine Mutter, die abgeschrieben wurde von der Gesellschaft? Schließlich kann man ja nun nicht mehr Vollzeit arbeiten, hat andere Verpflichtungen und Tagesabläufe. Man sieht müde aus und kleidet sich vielleicht auch nur noch praktisch… Oftmals kann es vorkommen, dass Frauen in dieser Situation nur noch ein Schatten seiner selbst sind, weil sie sich für das Baby aufopfern und alles tun, um wieder die Anerkennung zurück zu erlangen, die sie vorher bekommen hatten.
Niemand sieht es. Niemand ahnt, dass diese „Plackerei“ auch eine Art Ringen um Anerkennung ist. Frauen, die sich überfordert fühlen, allein gelassen und hilflos in langen Nächten voller Babygeschrei – sind noch lange keine schlechten Mütter. Nein, sie sind nur ausgebrannt und brauchen Unterstützung und Hilfe. Sie brauchen jemanden, der ihnen sagt: „Du bist eine gute Mutter. Du bist nicht allein. Ich helfe Dir und unterstütze Dich.“!


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Bin ich depressiv?

Nicht jede Mutter ist gleich depressiv! Aber jede länger anhaltende negative Stimmung bei frisch gebackenen Müttern, sollte ernst genommen werden. Eine postpartale Depression ist eine ernst zu nehmende Sache! Reden Sie darüber mit Ihrer Hebamme oder Frauenärztin. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, wenn es Ihnen schlecht geht! Beschreiben Sie, was in Ihnen vorgeht. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und anderen gegenüber. Oftmals kann Reden sehr viel helfen. Man bekommt das Gefühl zurück, dass man noch mehr wert ist als nur Mutter sein. Fühlen Sie sich, als könnten Sie nur noch weinen, dann lassen Sie es raus! Wichtig dabei ist aber, dass man sich nicht gehen lässt und wichtige Dinger vernachlässigt. Stehen Sie auf und gehen Sie spazieren. Schaffen Sie es nicht alleine, dann bitten Sie Eltern, Nachbarn oder Freunde um Begleitung. Frische Luft tut gut, löst Gedanken und befreit den Geist. Wichtig ist vor allem die Suche nach Austausch mit anderen Müttern. Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass man sich zwar auch sein leid klagen, aber nicht runterziehen lässt. Machen Sie kleine Schritte also kleine Aktivitäten, die nicht überfordern und schauen Sie nach vorne. Genießen Sie die Zeit mit Ihrem Baby! Es wird so schnell groß…

Anmerkung zur Geschichte: Die Story und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

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1 Response

  1. Henriette Starke sagt:

    Hallo Anne,

    ich finde es toll, dass du dich mit diesem Thema in deinem Beitrag auseinandersetzt. Ich denke es ist wichtig, dass viele Frauen, egal ob schwangere oder mit dem Vorhaben schwanger zu werden, von diesem Phänomen informiert werden müssen. Auch für viele Mitmenschen der Betroffenen ist es schwierig die Emotionen, die in einer Frau aufkommen, zu verstehen und demnach Unterstützung zu bieten. Umso besser wenn es Frauen gibt, die ganz ehrlich und offen davon berichten. Aus ähnlichen Gründen zog ich es in Erwägung einen Blogbeitrag zu diesem Thema zu veröffentlichen. Ich würde mich freuen wenn du Lust hättest da mal reinzuschauen und bei Gelegenheit auch ein Feedback zu hinterlassen: bach-blueten-portal.de/bachblueten-blog/postnatale-depression/.

    Es würde mich auf jeden Fall freuen!
    Viele Grüße
    Henriette

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