Mütterliche Demenz – Gibt es das?

Mütter können viel organisieren. Mütter wollen alles perfekt haben für ihre Kinder und Familie. Aber was ist mit uns selbst? Können wir uns als Frauen wirklich so perfekt organisieren? Zum Beispiel, wenn es um ein Frauen-Wochenende geht?
So hatte ich zum Beispiel das einschlägige Erlebnis einer so genannten mütterlichen Demenz als ich übers Wochenende nach Berlin zu meiner Freundin fliegen wollte.
Ich war schwanger mit meinem zweiten Kind und wollte für mich noch einmal eine schöne Auszeit genießen.
Ich suchte mir also einen Flug nach Berlin aus und verglich stundenlang und mit endloser Geduld, welcher denn billiger oder besser sein würde. Dann endlich fand ich den perfekten Flug und buchte.
Wie freute ich mich auf das Wochenende!
Ich konnte endlich mal wieder Frau sein und mich voll und ganz auf meinen abybauch konzentrieren, während mein Mann sich um Kind Nummer eins kümmerte.
Ich malte mir schon aus, was ich alles machen werde und wo ich shoppen gehen könnte.
Natürlich wollte ich auch für meine Tochter etwas kaufen und meinem Mann eine Kleinigkeit mitbringen. Aber erstmal wollte ich soviel wie möglich Zeit für mich.
Der Tag rückte näher und ich packte am Vorabend meinen Koffer. Auch was Schickes für abends durfte nicht fehlen. Noch passte ich ja halbwegs in meine Lieblingsklamotte und das wollte ich schließlich geniessen.
Ich telefonierte nochmal mit meiner Freundin, die mich am Flughafen abholen wollten und sprach alles durch. Auch die Organisation für meine Tochter hatte ich perfekt in Griff für die kommenden Tage. So konnte mein Mann sich voll und ganz auf sein Töchterchen konzentrieren und wußte, dank meiner Zettel die überall klebten, wo alles steht und liegt.


Die Reise kann beginnen!
Am nächsten Tag standen wir gemütlich auf, frühstückten gemeinsam in Familie und gegen abends ging es los zum Flughafen.
Wie war ich aufgeregt! Endlich ein Wochenende nur für mich! Mein Mann fragte mich noch: “Hast Du die genaue Flugzeit geprüft? Wann genau fliegst Du?”.
“Alles im Lot!”, höre ich mich sagen, “der Flieger geht erst um 18.30 Uhr.”
Auf dem Weg zum Flughafen rief ich meine Freundin nochmals an und teilte ihr mit, dass ich nun unterwegs bin.
“Nun aber schnell!”, sagte sie zu mir am Telefon. Ich verstand nicht ganz: “Wieso, wir liegen doch perfekt in der Zeit?”.
“Aber der Flieger geht doch in einer halben Stunden schon. Ich will gerade losfahren zum Flughafen.”, sagte sie mit irritierter Stimme.
Ich merkte wie ich etwas nervös wurde und sagte: “Also ich fliege erst in über einer Stunde, Katrin. Da musst Du was falsch aufgeschrieben haben.” Ich hörte sie mit Papier rascheln und dann sagte sie: “Also hier in Deiner Email steht, dass Du um 17.30 Uhr abfliegst.”
Mir wurde heiß und kalt. Hatte meine Freundin Recht? Es bildeten sich kleine Schweißperlen auf meiner Stirn, während ich hektisch in meiner Handtasche nach dem Ausdruck meiner Buchung suchte. Ich las auf dem Zettel: Abflug /Departure 17.30 Uhr. Ich wurde kreidebleich und sah auf die Uhr im Auto vor mir: 17.10 Uhr. Wir hatten noch 20 Minuten bis zum Flughafen zu fahren. Das bedeutete, dass ich den Flug verpassen würde.

Wie konnte ausgerechnet mir das passieren? Verdammt! Ich kann bis ins kleinste Detail alles für mein Kind organisieren. Jeder Kindergeburtstag und jede Weihnachtsfeier wird perfekt geplant. Und mein Wochenende sollte geplatzt sein?
Mein Mann fuhr rechts ran, sah mich mit großen Augen an und fragte: “Flug verpasst?” “Ja!”, sagte ich kurz und versuchte eine Träne zu unterdrücken.
Meine Tochter auf dem Rücksitz fragte: “Mama, fliegt dann das Flugzeug heute nicht, wenn Du es verpasst?”.
Wir sahen uns alle an, hielten einen Moment inne und fingen dann gemeinsam an zu lachen.
Ja so perfekt man auch als Mutter sein möchte – als Frau wird es noch ein Weilchen dauern wieder ein perfektes Organisationstalent für sich selbst zu sein.
Es mag vielleicht an den vielen, fehlenden Stunden Schlaf liegen, die uns als Eltern entgehen, wenn man kleine Kinder hat. Es mag aber vielleicht auch daran liegen, dass uns unsere Familie einfach wichtiger ist als alles andere. Zumindest ist es bei mir der Fall.
Aber das Schöne daran war: Ich konnte am Ende dann doch noch wenigstens ein halbes Wochenende in Berlin genießen, nachdem mein Mann mir einen neuen Flug für den nächsten Tag buchte
Und dafür bin ewig dankbar!
Als kleiner Abschluss ein Filmchen “Ente gut, alles gut!”