Berlin ist immer eine Reise wert! Oder?

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    Ist Berlin noch eine Reise wert?
  • Das Brandenburger Tor
    Das Brandenburger Tor
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    Der Himmel über Berlin...

Ist Berlin noch eine Reise wert?

Ist Berlin noch eine Reise wert?

Ich bekomme Besuch. Und der Besuch möchte mal gerne Berlin sehen. Das soll so toll sein, sagt er. Na gut, denke ich, zeig ich ihm Berlin.
Der Besuch kommt an, natürlich in Tegel und nicht wie damals gedacht in Schönefeld.
Also tuckere ich mit dem Auto über kaputte Straßen und hole ihn am anderen Ende der Stadt ab.
Auf dem Rückweg versuche ich den tiefen Kratern, auch Schlaglöcher genannt, aus dem Weg zu fahren und muss aufpassen, dass ich nicht noch einen Radfahrer auf der Motorhaube mitnehme. Denn Radfahrer gibt es in Berlin genauso viel wie Schlaglöcher. Und Radwege sind zwar immerhin einige vorhanden, aber entweder stehen die mit parkenden Autos oder Schrotträdern voll oder es gibt ne Baustelle oder sie wurden nicht weitergebaut oder oder… Warum auch so was ausbauen? Die Fußwege sind doch oftmals doppelt so breit. Da kann doch der Radfahrer schieben, wenn es ihm auf der Straße zu eng wird.
(Merke: Es dürfen nur Kinder bis 8 Jahre auf Fußwegen Rad fahren, siehe hier…).

Rumms! Mist, das war ein Schlagloch! Ich hoffe, dass die Stoßdämpfer bei meinem Auto etwas aushalten können und verstehe nun endlich, weshalb der Radiomoderator neulich erzählte, dass die eine Straßengolf-Aktion machen wollen. Logisch, die Schlaglöcher eigneten sich perfekt dafür!


Wir quälen uns also durch den alltäglichen Stau und sind nach erstaunlich guten 40 Minuten im Ostteil Berlins angekommen (Berlinkilometer sind keine normalen Kilometer).
Mein Besucher ist ganz aufgeregt von dem quirligen Leben hier und will sich nur frisch machen und dann „gleisch wiedo lösfahrn“. Das Ziel: (Ost-)Berlins historische Innenstadt besichtigen. Aber diesmal bin ich ein Fuchs, und beschließe per Bahn in Richtung City zu fahren. Mit der S-Bahn ist man oben und kann ja auch viel sehen. So mein Plan. Wir fahren also mit dem Bus, der nach sagenhaften 20 Minuten kommt, Richtung S-Bahnhof. Ich bin echt erstaunt, dass diese Buslinie jetzt sogar bis Schönefeld fährt und frage mich im selben Moment, wie viele Tage ich dafür wohl vorher abfahren muss, wenn der 1.) nur alle 20 Minuten fährt und 2.) er für den Weg (ohne Stau) laut Plan 40 Minuten braucht. Ich verwerfe lieber schnell wieder diesen Gedanken, denn schließlich ist ja der neue BER Flughafen noch lange nicht offen.

Der Himmel über Berlin...

Der Himmel über Berlin…

Pendeln Richtung City

Angekommen am S-Bahnhof an und „WOW“ die S-Bahn fährt auch schon ein. Blöd nur, dass sie heute mal nicht durchfährt. Heißt also umsteigen an der Warschauer Straße. Ohja stimmt! Da war mal was mit Pendelverkehr. Den gibt´s immer noch? Ich sollte öfter Bahnfahren, um auf dem neuesten Stand zu bleiben… Ok bis Warschauer Straße ist ja schnell gemacht, dann steigen wir um in die nächste S-Bahn und schwupps sind wir am Hackeschen Markt. Naja man kann doch mal hoffen, oder? Fakt jedoch ist, dass uns die S-Bahn zwar Warschauer rausgeworfen hat, aber die andere Pendelbahn nicht kommt. Der Grund sollte mir klar sein, nur bin ich nicht früher darauf gekommen. Gab es doch heute morgen in den Nachrichten wieder mal die Info, dass Kupferkabel an den Bahnstrecken geklaut wurde…

Mein Besuch ist echt amüsiert über das Chaos, fängt aber auch langsam an zu frösteln, denn wir haben gerade den strengsten Frühling aller Zeiten und der Schnee will einfach nicht weichen. Nach gefühlten 3 Stunden Wartezeit (tatsächlich waren es wahrscheinlich nur 15 Minuten Verspätung) fahren wir endlich weiter in Richtung Zielbahnhof. Oh wie schön es doch ist eine Ölsardine in einer S-Bahn zu sein. Das hat echte Vorteile. Wenn zum Beispiel die Bahn abrupt bremsen muss, dann kannst Du gar nicht umfallen. Es ist praktisch nicht möglich. Und wenn doch, dann fällst Du nur in den Arm des Nachbarn. Und das ist anscheinend so ein Kalkül von der Bahn, denn in Berlin ist ja schliesslich jeder Dritte ein Single.
Am Hackeschen Markt angekommen schlagen wir uns durch das Getümmel und landen auf einem Platz, der geradezu einlädt eine wohlverdiente Kaffeepause einzulegen. Gesagt getan und so pausieren wir in der Sonne sitzend, in Deckchen eingemümmelt, genießen unseren Latte Macciato mit Macadamia-Sirup und entspannen beim Gewusel um uns herum.

Päuschen vorbei und weiter geht´s

Wir sind wieder erholt und laufen nun in Richtung Sehenswürdigkeiten. Mein Besuch möchte gern die Infobox zum Schloss besuchen. Er hat gelesen, dass Berlin das alte Schloss wieder aufbauen möchte. Dazu fällt mir nur der Satz ein, den ich neulich im Taxi hörte: Berlin hat´s ja dicke! Die Humboldt-Box liegt vor uns, doch müssen wir noch eine Strasse überqueren. es ist die Strasse unter den Linden, zumindest wird sie es in Richtung Brandenburger Tor. Und so weit unsere Augen reichen sehen wir…. Stau, Baustellen, Dreck. Diese hypermoderne Infobox passt so überhaupt nicht in das Viertel, welches prall gefüllt ist mit geschichtsträchtigen Gebäuden. Man bräuchte wohl ein paar Tage, um sie alle komplett zu erkunden.
Von oben lässt sich das Ganze überblicken und mir eröffnet sich eine Frage: Warum in Dreiteufelsnamen wird ein Schloss errichtet, dessen Grundmauern noch nicht einmal komplett erhalten sind?
Braucht eine Stadt wie Berlin solch ein Prestige-Objekt wirklich? Wer soll das alles bezahlen, wenn schon der Flughafen so schwer zu finanzieren ist? Warum wird hier nicht der eh schon vorhandene Grünstreifen am Wasser zu einem schönen Stadtstrand umfunktioniert mit Spielplatz, Cafés und Freilichtbühne? Dann könnte man das Ganze sogar noch richtig kulturell nutzen und hätte einen grünen Magneten geschaffen zwischen Oper, Dom und Rathaus. Die restlichen Grundmauern vom Schloss könnte man doch freilegen, mit Info-Schildern und Bildern versehen und eine passende Infobox mit Film und anderem Material füllen, um mehr über das Schloß zu erfahren. Eine Art Freiluftmuseum oder so was in der Art.
Aber ich bin ja kein Architekt und auch kein Bürgermeister, daher kann ich das leider nicht entscheiden. Schade eigentlich. Obwohl als Bürgermeister müsste ich ja ständig feiern gehen und mich auch irgend welchen roten Teppichen zeigen lassen. Wie anstrengend!
Auch mein Besuch ist leicht enttäuscht über das Chaos an diesem Fleckchen Erde und so beschließen wir Richtung Fernsehturm zu laufen.

Das Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor

Der Weg ist das Ziel

Wer nun denkt, dass der Spaziergang vom Dom bis zum Fernsehturm ein entspannter ist, der irrt gewaltig. Es ist laut, staubig und der Weg gesäumt von Baustellen. Man könnte meinen das hier ein Bataillon von mega Maulwürfen eingefallen ist. Selbst rund um den Fernsehturm befinden sich nur Baustellen, die ewig kein Ende finden. Mittlerweile ist auch mein Besuch gefrustet und so beschließen wir vom Alexanderplatz aus mit der U-Bahn zurück zu fahren.

Es ist mittlerweile früher Abend und der Feierabendverkehr hat eingesetzt. Wer sich am Alex nicht auskennt ist zwischen den Irrgängen und den Menschenmassen gnadenlos verloren. Die U-Bahn-Steige sind verschachtelt und die Wege sind lang. Familien mit Kinderwagen müssen hier echt aufgeschmissen sein, denn nicht jeder Fahrstuhl funktioniert auch wirklich. Wie gut, dass ich aus der Nummer mit dem Kinderwagen raus bin.
Die U-Bahnen fahren häufiger als S-Bahnen, somit ist die Entscheidung U-Bahn zu fahren eine weise. Aber wenn es Feierabend wird, nehmen viele Berliner das so genannte Feierabend-Bierchen wirklich bitter ernst. Soweit das Auge blickt kann ich feststellen, dass wir beide die wohl die fast einzigen Nichttrinker an Board sind. Hätte ich vorher vielleicht mal das Schild suchen sollen, wo darauf hingewiesen wird, in U-Bahnen das Trinken nicht zu unterlassen? 😉
Die Verwirrung ist nun perfekt und mein Besucher sichtlich geschockt von den vielen Eindrücken. Doch der Schock ist am nächsten Tag vorbei, als mein Besuch dann feststellt, dass es auch andere Ecken in Berlin gibt, die unbekannter und weitaus schöner sind. Man trifft hier und dort freundliche Berliner Schnauzen, findet die ein oder andere Altberliner Kneipe im neu errichteten und modernen Charme und genießt die Großstadthektik bei einem Ausflug auf dem Wasser.

Für alle Berlin-Besucher empfehle ich auf jeden Fall das richtige Schuhwerk, denn Berlin ist verdammt groß:

Was macht Berlin so schön?

Berlin ist Leben. Berlin ist ein Schmelziegel von Kunst, Kultur und Geschichte. Dieser Altberliner Charme, die endlosen Nächte, die unzähligen Gewässer… Das alles macht Berlin so interessant und unvergleichlich.
Zwar schafft es Berlin im Moment durch seine ungalanten Aktionen die Besucher eher zu vergraulen, dennoch ist und bleibt der Berliner Charme immer ein bisschen erhalten. Und so hoffe ich doch inständig, dass dieser Gau zum Thema Flughafen, East Side Gallery und Stadtschloss, Berlin nicht das Genick bricht. Auch hoffe ich, dass ein Bürgermeister einer solch großen Stadt endlich aus seinem Märchenschlaf erwacht und der Tatsache ins Gesicht sieht, dass diese Stadt dringend baustellenfreie Straßen und ansehnliche Plätze und Bauten braucht, welche sowohl Bewohner mit und ohne Kindern als auch Touristen eine Stadt bietet, bei der man zu Recht sagen kann: Berlin, ick liebe Dir!

Meinen Besuch habe ich nun wieder zum Flughafen gebracht und ich bin sicher, dass er wieder kommt. Und wenn es nur dazu dient zu schauen, ob die Baustellen jetzt mehr oder weniger geworden sind 😉

In diesem Sinne wünsche ich euch ein entspanntes Schlendern und Entdecken von Berlin!

eure Anne

Anmerkung zum Schluss: Ich liebe Berlin, keine Frage! Und daher betrachte ich, wie viele andere Berliner die Dinge mit bissigem Humor. Dennoch finde ich es wichtig, auf Dinge hinzuweisen, welche in dieser Stadt versaubeutelt wurden und Berlin dadurch nicht besonders attraktiver macht. Berlin soll eine ansehnliche Stadt sein. Für Bürger und Besucher gleichermaßen. Und so setze ich ein kleines Zeichen und werde weiterhin meinen Müll in den viel zu weit entfernten Mülleimer werfen, statt ihn auf die Erde fallen zu lassen. Es ist immerhin ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. In diesem Sinne: Keep smiling und bleibt sauber 😉

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